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Thüringer-Bahn-Initiative kämpft für ein Alkoholverbot in Zügen Diesen Text vorlesen lassen

Autor: Support 18.02.2017

Erfurt. Angetütert in die Bahn steigen und dort fröhlich weiterzechen? Im Zug ein paar Flaschen Bier köpfen oder in der Gruppe die Schnapsflasche kreisen lassen? In Thüringen ist das bislang kein Problem. Denn so etwas wie eine Bierpolizei gibt es ? anders als in vielen Bussen oder Straßenbahnen, in denen ein Alkoholverbot gilt ? im Schienennahverkehr nicht.

Etliche Reisende ärgert das, weiß der Verein Thüringer-Bahn-Initiative. Nicht nur, weil sie sich am Geruch und daran stören, dass oftmals leere Flaschen und Dosen durch die Abteile kullern oder die Müllbehälter verstopfen. Sie erleben auch, dass angetrunkene Reisende laut werden, Fahrgäste belästigen und die Züge verunreinigen, wenn etwa ihr Magen den Alkohol abrupt wieder loswerden will.

"Es geht um den Schutz der Mitreisenden", finden Ronny und Daniel Würfel, die Vorsitzenden der Thüringer-Bahn-Initiative, die sich jüngst deswegen an das Bahnunternehmen Abellio, seit einem Jahr Betreiber des Netzes Saale-Thüringen-Südharz, gewandt haben. Die Bahnbetriebe müssten zudem an das Personal denken, das mitunter auch körperlichen Attacken durch betrunkene Fahrgäste ausgesetzt sei.
Bisher keine Belästigungen oder Tätlichkeiten bei Abelio

Abellio indes sieht derzeit keine Veranlassung, den Genuss von Alkohol in seinen Zügen zu verbieten. Zu Belästigungen anderer Fahrgäste und zu Tätlichkeiten sei es bisher nicht gekommen, versichert Abellio-Sprecher Matthias Neumann. Und bei Fällen von Vandalismus sei es bislang so gewesen, dass die Verursacher bereits angetrunken in den Zug gestiegen seien und nicht erst dort zu trinken begonnen haben.

Eine Gefahr, die der Abellio-Sprecher allerdings sieht, ist die von Verunreinigungen in den Zügen: "Dies betrifft aber alle Getränke und Speisen, die Fahrgäste entweder mitgebracht haben oder sich im Zug kaufen und dann während der Fahrt konsumieren. Insofern müsste man konsequenterweise über ein generelles Verzehrverbot nachdenken, wie es viele innerstädtische Bus- und Straßenbahnunternehmen machen."

Da Abellio aber sehr langlaufende Zugverbindungen betreibe, käme das einer erheblichen Einschränkung der Fahrgäste gleich. "Deshalb ziehen wir ein Verbot nicht in Erwägung", so der Sprecher, der zudem darauf verweist, dass das Unternehmen auf bestimmten Strecken dazu verpflichtet sei, einen Cateringservice anzubieten.
"Wer still sein Bierchen trinke, dürfe das gern tun und die Fahrt genießen"

Ein Alkoholverbot kommt auch für die Erfurter und die Süd-Thüringen-Bahn nicht in Betracht. "In unseren Beförderungsbestimmungen steht: ,Fahrgäste mögen beachten, dass sie durch Essen und Trinken keine weiteren Fahrgäste beschädigen'", sagt Sprecherin Hella Tänzer. Wer still sein Bierchen trinke, ohne andere Reisende zu belästigen oder die Sitze zu bekleckern, dürfe das gern tun und die Fahrt genießen.

Freilich, schränkt Hella Tänzer ein, habe es auch schon Probleme gegeben, wenn stark alkoholisierte Fahrgäste etwa herumgrölten, Mitreisende oder sogar die Zugbegleiter angingen. "Wenn es gar nicht anders geht, schalten wir in solchen Fällen die Bundespolizei ein."

Die Deutsche Bahn verfolgt nach den Worten ihres Sprechers Holger Auferkamp die Debatte um Alkoholkonsumverbote "mit großem Interesse". Derzeit schließen die Beförderungsbedingungen der Bahn Alkoholgenuss im Zug nicht aus, betont Auferkamp und gibt zu bedenken: "Ein generelles Alkoholkonsumverbot in allen Zügen ist nur sinnvoll, wenn es klare Regeln und Ressourcen für die Durchsetzung gibt. Wenn Aufgabenträger oder Verkehrsverbünde den Alkoholkonsum im Zug verbieten, unterstützen wir das selbstverständlich."
Kundenbefragungen kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen

Die Deutsche Bahn würde die Schaffung eines neuen Ordnungswidrigkeiten-Tatbestandes favorisieren, "der Nutzer des ÖPNV sanktionieren würde, die sich nicht sozialadäquat in Bussen und Bahnen verhalten", spricht sich der Bahnsprecher für eine weit über ein Alkoholkonsumverbot hinausreichende Regelung aus. "Damit würden Rechte und Möglichkeiten des Bahnpersonals gestärkt, konsequent gegen Störer vorzugehen." Derzeit könne allerdings schon die Polizei zu besonderen Anlässen ? etwa beim Fanreiseverkehr zu Fußballspielen oder bei Volksfesten ? alkoholische Getränke, vor allem auch in Glasflaschen, im Zug oder im Bahnhof verbieten.

Kundenbefragungen, ergänzt Holger Auferkamp, seien bisher in verschiedenen Regionen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen: Während die einen ein striktes Verbot befürworten, weil sie sich dann sicherer fühlen, lehnen es andere kategorisch ab ? auch mit dem Hinweis darauf, dass schließlich der ÖPNV gerade bei Volksfesten immer wieder als Alternative zum privaten Autoverkehr gepriesen werde.

In einigen Regiozügen in Deutschland gilt das Verbot indes längst ? etwa seit 2009 in den zwischen Niedersachsen, Hamburg und Bremen pendelnden Metronom-Zügen. Dort waren in der Folge Müllmengen und die Zahl der Straftaten deutlich gesunken. Jeder, der dort gegen das Verbot verstößt, wird mit einem Bußgeld von 40 Euro ­belegt.

Bericht von: Sibylle Göbel

Quelle bei: thueringer-allgemeine

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